Samstag, 30. August 2008
annainwien, 13:40h

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Sag zum Abschied leise „Bussibaba“
annainwien, 13:39h
Vor vier Wochen bekam ich einen Erasmus-Newsletter, den letzten, der mich herzlich in Deutschland zurückbewillkommnete und mir wünschte, dass ich das Post-Erasmus-Syndrom gut überstehe. Ich bin aber immer noch hier in Wien. Last Erasmus Standing.
Der Sommer geht langsam zu Ende, die Körper der Rentnerinnen im Schimmbad Brigittenau haben inzwischen einen lederartigen Teint angenommen. Unter meinem Fenster sehe ich die Urlaubsheimkehrer im Stau stehen und sich gegenseitig anschreien. Auch nach einem Jahr in dieser Stadt ist es mir unmöglich, zu verstehen, was sie schreien, es könnte auch klingonisch sein. Inzwischen mag ich Mannerschnitten. Mein KTM-Austria-Fahrrad wurde mir immer noch nicht geklaut. Außerdem zeigen die regelmäßigen Archivbesuche langsam ihre Wirkung. Ich bin jetzt wer, man kennt mich dort. „Ich brauche Ihren Ausweis nicht mehr zu sehen, Frau Helberisch, ich weiß doch, wer Sie sind.“ sagt die Pförtnerin morgens zur Begrüßung. Ich kenne ihren Namen nicht, weswegen sie klar im Vorteil ist, denn, selbst wenn sie sich einen falschen Namen merkt, kann sie den zumindest immer wieder mir zuordnen. Weil man hier die Jahreszeit immer am Getränk erkennt, ist Aperolspritzer gerade mein zweiter Vorname. So lange Aperolspritzer, so lange noch Sommer, so lange noch abends am Donaukanal und tagsüber am Gänsehäufel, dem Strandbad an der Alten Donau. So lange noch Sommer, so lange noch Wien. Morgen, am 31. August, fahre ich wieder zurück. Obwohl die Aperolspritzermethode sich hervorragend zur Verdrängung solcher Daten eignet, sind jetzt die beiden gepackten Taschen im leeren Zimmer recht real.
Gestern feierte das Filmmuseum zur Wiedereröffnung eine Party, wir saßen dort auf der Treppe der Albertina und ich dachte mir, dass diese Menschen die zu solchen Partys gehen eigentlich auch immer gleich aussehen, egal wo man hin geht und in welcher Stadt man ist. Aber nur in Wien kann man dann mit seinem Gratis-Spritzer um die Ecke gehen und an der Hofburg im Burggarten stehen, wo die Securities gerade an der Rückseite der Nationalbibliothek ausprobieren, wie hoch das Licht ihrer Taschenlampe reicht. Und wenn es dann schon nach Mitternacht ist, ist es sehr schön und friedlich dort, weil die Touristen schon wieder in den Hotels sind und die Wiener an der Gratisspritzerquelle um die Ecke. Ich dachte dann daran, dass ich genau vor einem Jahr, noch bevor ich nach Wien gezogen bin, das erste Mal zu einer ähnlichen Uhrzeit mit Mika dort gestanden war und mir vorgenommen hatte, hier möglichst oft hinzukommen. Habe ich dann natürlich nicht gemacht. Auch zum Zentralfriedhof habe ich es nie geschafft in dem Jahr, genausowenig wie die Dritte-Mann-Untergrundstour, ins U4, in die Nachtschicht oder auf einen Ausflug nach Budapest. Sarah erinnert mich daran, dass ich den großen Gothicball, den „Schwarzen Reigen“ im Schloss Neugebäude auch verpasst habe. Stimmt natürlich.
Heute morgen beim Aufwachen wurde mir zum ersten Mal wehmütig zumute. Ich musste dann auf Youtube ein bisschen Alexandra „Mein Freund der Baum ist tot“ hören, danach gings wieder. Morgen schon im Zug Richtung Zürich, von dort dann in einer Woche nach Hamburg und Anfang Oktober wieder fest in Berlin. Aber heute, heute ist es noch Wien, am Abend gibts den Gürtelnightwalk mit Open-Air-Konzerten und die halbvolle Aperolflasche im Kühlschrank zeigt: Noch ist Sommer.
Der Sommer geht langsam zu Ende, die Körper der Rentnerinnen im Schimmbad Brigittenau haben inzwischen einen lederartigen Teint angenommen. Unter meinem Fenster sehe ich die Urlaubsheimkehrer im Stau stehen und sich gegenseitig anschreien. Auch nach einem Jahr in dieser Stadt ist es mir unmöglich, zu verstehen, was sie schreien, es könnte auch klingonisch sein. Inzwischen mag ich Mannerschnitten. Mein KTM-Austria-Fahrrad wurde mir immer noch nicht geklaut. Außerdem zeigen die regelmäßigen Archivbesuche langsam ihre Wirkung. Ich bin jetzt wer, man kennt mich dort. „Ich brauche Ihren Ausweis nicht mehr zu sehen, Frau Helberisch, ich weiß doch, wer Sie sind.“ sagt die Pförtnerin morgens zur Begrüßung. Ich kenne ihren Namen nicht, weswegen sie klar im Vorteil ist, denn, selbst wenn sie sich einen falschen Namen merkt, kann sie den zumindest immer wieder mir zuordnen. Weil man hier die Jahreszeit immer am Getränk erkennt, ist Aperolspritzer gerade mein zweiter Vorname. So lange Aperolspritzer, so lange noch Sommer, so lange noch abends am Donaukanal und tagsüber am Gänsehäufel, dem Strandbad an der Alten Donau. So lange noch Sommer, so lange noch Wien. Morgen, am 31. August, fahre ich wieder zurück. Obwohl die Aperolspritzermethode sich hervorragend zur Verdrängung solcher Daten eignet, sind jetzt die beiden gepackten Taschen im leeren Zimmer recht real.
Gestern feierte das Filmmuseum zur Wiedereröffnung eine Party, wir saßen dort auf der Treppe der Albertina und ich dachte mir, dass diese Menschen die zu solchen Partys gehen eigentlich auch immer gleich aussehen, egal wo man hin geht und in welcher Stadt man ist. Aber nur in Wien kann man dann mit seinem Gratis-Spritzer um die Ecke gehen und an der Hofburg im Burggarten stehen, wo die Securities gerade an der Rückseite der Nationalbibliothek ausprobieren, wie hoch das Licht ihrer Taschenlampe reicht. Und wenn es dann schon nach Mitternacht ist, ist es sehr schön und friedlich dort, weil die Touristen schon wieder in den Hotels sind und die Wiener an der Gratisspritzerquelle um die Ecke. Ich dachte dann daran, dass ich genau vor einem Jahr, noch bevor ich nach Wien gezogen bin, das erste Mal zu einer ähnlichen Uhrzeit mit Mika dort gestanden war und mir vorgenommen hatte, hier möglichst oft hinzukommen. Habe ich dann natürlich nicht gemacht. Auch zum Zentralfriedhof habe ich es nie geschafft in dem Jahr, genausowenig wie die Dritte-Mann-Untergrundstour, ins U4, in die Nachtschicht oder auf einen Ausflug nach Budapest. Sarah erinnert mich daran, dass ich den großen Gothicball, den „Schwarzen Reigen“ im Schloss Neugebäude auch verpasst habe. Stimmt natürlich.
Heute morgen beim Aufwachen wurde mir zum ersten Mal wehmütig zumute. Ich musste dann auf Youtube ein bisschen Alexandra „Mein Freund der Baum ist tot“ hören, danach gings wieder. Morgen schon im Zug Richtung Zürich, von dort dann in einer Woche nach Hamburg und Anfang Oktober wieder fest in Berlin. Aber heute, heute ist es noch Wien, am Abend gibts den Gürtelnightwalk mit Open-Air-Konzerten und die halbvolle Aperolflasche im Kühlschrank zeigt: Noch ist Sommer.
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Montag, 30. Juni 2008
Zwischen Aristokraten
annainwien, 11:17h
„I kumm mer vor, wie aufm Höödenplatz in die 30er.“ sagt der Parterrechef von der Stadthalle. Wir haben uns alle im Foyer um ihn herum versammelt, noch nie habe ich so viele Stadthallenkittel auf einmal gesehen. „Wüüßt a Podest“ ruft einer, und eine Armee aus Kitteln lacht.
An diesem Abend spielt Elton John, der eigentlich in einem Stadion hätte spielen sollen. Warum er nun in der Stadthalle spielt, ob wegen Unwetter, zu wenig verkaufter Tickets, EM, man weiß es nicht, wir wissen nur eins: Zweieinhalbtausend Menschen müssen von uns umgesetzt werden. Der Chef vom Parterre bereitet uns darauf vor, dass dies kein Kinderspiel wird. „Des ist das Klientel, das sonst in die Halle F geht, des heißt: Zwischen 40 und 50, vüü Geld für die Koartn ausgegeben. Also: Die Leit werden euch mit dem Oasch entgegen kommen.“
Ich lache, alle schauen mich ernst an.
Der Chef fährt fort: „Des heißt: Ihr werdets vüü zu hörn bekommn, diskutierts ned, dazu habt ihr eh keine Zeit, denn ihr wisst ja, es kommen alle...“ – „...zwanzig Minuten vorher!“ spricht eine Armee in grauen und blauen Kitteln im Chor im Foyer.
Wir bekommen einen mehrseitigen Plan in vielen bunten Farben und Buchstaben. Der Plan zeigt, welche Menschen von wo nach wo umgesetzt werden sollen. Ich verstehe kein Wort. Mein zugewiesener Bereich ist das Parkett. Hier sitzt man fast ganz vorne an der Bühne, nur ein Platz im Orchester ist näher. Oder auf Elton Johns Flügel, der schon auf der Bühne steht. Menschen, die heute abend im Parkett sitzen, haben vor ein paar Monaten auch auf dem Opernball getanzt. Ich bin umringt von den Reichen und Schöngespritzten dieser Stadt, die mir nun erzählen, was sie wert sind. Sie rechnen es mir sogar vor. 275 Euro habe eine Karte gekostet. Ganz sicher werden sie sich jetzt nicht irgendwohin setzen. „275 Euro“, sagt eine blondierte Frau in einer Art Lederpetticoat zu mir, „das macht 1700 Schilling“. Eigentlich ergibt das, wenn ich mich noch richtig an den Wechselkurs erinnere, sogar mehr als 3500 Schilling, aber es ist wohl der falsche Moment, um sie zu verbessern. Ich nicke nur, und sage, wie gut ich das alles verstehen könne, aber eben, leider leider bin ich ja nur das kleine Rädchen in der Maschine und kann rein gar nichts tun, außer ihr einen Platz anzubieten. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie eine Kollegin von einer Holländerin im orangefarbenen Pulli angeschrien wird. Neben ihr steht ein junger Mann, der aussieht, wie eine Oscar Wilde Figur in schwarz weißen Gamaschen und schaut traurig. Ein Liz-Taylor-Double geht an mir vorbei und schimpft im Wiener Dialekt leise vor sich hin. Manche finden sich auch zusammen und gründen eine spontane Schimpfgemeinschaft. Menschen die sich davor nicht kannten, tauschen sich nun aus, verbünden sich, klopfen einander auf die Schultern und lachen irgendwann sogar. Und so kehrt die Ruhe dann eigentlich fast von selbst ein, die Vorfreude auf das Konzert siegt oder vielleicht auch die Erschöpfung durch die Hitze. Bei 30 Grad Außentemperatur ist auch mein Anzugskittel nicht unbedingt das optimalste Kleidungsstück, ich spüre, wie mir der Schweiß den Rücken herunterrinnt, während ich zwischen den Reihen hin und herlaufe.
Das Licht geht irgendwann aus, mit einer Taschenlampe weise ich die letzten Aristokraten zu ihren Plätzen. Die ersten Takte von „Your Song“ erklingen. Als Elton John die Bühne betritt, stehe ich ganz vorne neben den Sanitätern. Er beginnt zu singen, ich schaue ins Publikum und sehe bald lauter kleine Tränen in zu stark geschminkten Augen glitzern.
Selbst draußen im Foyer, wo ich eine Türwache vertrete, hallt die Stimme noch nach. Nach eineinhalb Stunden Balladen kommen die fetzigeren Stücke an die Reihe. Auf Stichwort stürmt eine instruierte Gruppe von Fans aus dem Rang hinunter an den Bühnenrand und tanzt wild. Schüchtern folgen dann auch die ersten echten Zuschauer, ich entdecke die Frau im Lederpetticoat wieder, die ein wenig am Rand der Masse mit erhobener Faust das „Evil“-Zeichen gibt, also Zeigefinger und kleiner Finger zu Teufelshörnern erhoben.
„I muass sagn, der is scho guat.“ sagt ein pensonierter Arbeitskollege neben mir. „Er mog zwar die Männer. Aber des is au guat.“
Wenig später darf ich gehen. Im kleinen Aufenthaltsraum, in dem meine Sachen liegen, finde ich eine Kollegin, die offenbar in ihrer letzten Pause eingenickt ist. Jetzt sitzt sie immer noch am Tisch und atmet gleichmäßig. Ich lasse sie schlafen.
An diesem Abend spielt Elton John, der eigentlich in einem Stadion hätte spielen sollen. Warum er nun in der Stadthalle spielt, ob wegen Unwetter, zu wenig verkaufter Tickets, EM, man weiß es nicht, wir wissen nur eins: Zweieinhalbtausend Menschen müssen von uns umgesetzt werden. Der Chef vom Parterre bereitet uns darauf vor, dass dies kein Kinderspiel wird. „Des ist das Klientel, das sonst in die Halle F geht, des heißt: Zwischen 40 und 50, vüü Geld für die Koartn ausgegeben. Also: Die Leit werden euch mit dem Oasch entgegen kommen.“
Ich lache, alle schauen mich ernst an.
Der Chef fährt fort: „Des heißt: Ihr werdets vüü zu hörn bekommn, diskutierts ned, dazu habt ihr eh keine Zeit, denn ihr wisst ja, es kommen alle...“ – „...zwanzig Minuten vorher!“ spricht eine Armee in grauen und blauen Kitteln im Chor im Foyer.
Wir bekommen einen mehrseitigen Plan in vielen bunten Farben und Buchstaben. Der Plan zeigt, welche Menschen von wo nach wo umgesetzt werden sollen. Ich verstehe kein Wort. Mein zugewiesener Bereich ist das Parkett. Hier sitzt man fast ganz vorne an der Bühne, nur ein Platz im Orchester ist näher. Oder auf Elton Johns Flügel, der schon auf der Bühne steht. Menschen, die heute abend im Parkett sitzen, haben vor ein paar Monaten auch auf dem Opernball getanzt. Ich bin umringt von den Reichen und Schöngespritzten dieser Stadt, die mir nun erzählen, was sie wert sind. Sie rechnen es mir sogar vor. 275 Euro habe eine Karte gekostet. Ganz sicher werden sie sich jetzt nicht irgendwohin setzen. „275 Euro“, sagt eine blondierte Frau in einer Art Lederpetticoat zu mir, „das macht 1700 Schilling“. Eigentlich ergibt das, wenn ich mich noch richtig an den Wechselkurs erinnere, sogar mehr als 3500 Schilling, aber es ist wohl der falsche Moment, um sie zu verbessern. Ich nicke nur, und sage, wie gut ich das alles verstehen könne, aber eben, leider leider bin ich ja nur das kleine Rädchen in der Maschine und kann rein gar nichts tun, außer ihr einen Platz anzubieten. Aus den Augenwinkeln sehe ich, wie eine Kollegin von einer Holländerin im orangefarbenen Pulli angeschrien wird. Neben ihr steht ein junger Mann, der aussieht, wie eine Oscar Wilde Figur in schwarz weißen Gamaschen und schaut traurig. Ein Liz-Taylor-Double geht an mir vorbei und schimpft im Wiener Dialekt leise vor sich hin. Manche finden sich auch zusammen und gründen eine spontane Schimpfgemeinschaft. Menschen die sich davor nicht kannten, tauschen sich nun aus, verbünden sich, klopfen einander auf die Schultern und lachen irgendwann sogar. Und so kehrt die Ruhe dann eigentlich fast von selbst ein, die Vorfreude auf das Konzert siegt oder vielleicht auch die Erschöpfung durch die Hitze. Bei 30 Grad Außentemperatur ist auch mein Anzugskittel nicht unbedingt das optimalste Kleidungsstück, ich spüre, wie mir der Schweiß den Rücken herunterrinnt, während ich zwischen den Reihen hin und herlaufe.
Das Licht geht irgendwann aus, mit einer Taschenlampe weise ich die letzten Aristokraten zu ihren Plätzen. Die ersten Takte von „Your Song“ erklingen. Als Elton John die Bühne betritt, stehe ich ganz vorne neben den Sanitätern. Er beginnt zu singen, ich schaue ins Publikum und sehe bald lauter kleine Tränen in zu stark geschminkten Augen glitzern.
Selbst draußen im Foyer, wo ich eine Türwache vertrete, hallt die Stimme noch nach. Nach eineinhalb Stunden Balladen kommen die fetzigeren Stücke an die Reihe. Auf Stichwort stürmt eine instruierte Gruppe von Fans aus dem Rang hinunter an den Bühnenrand und tanzt wild. Schüchtern folgen dann auch die ersten echten Zuschauer, ich entdecke die Frau im Lederpetticoat wieder, die ein wenig am Rand der Masse mit erhobener Faust das „Evil“-Zeichen gibt, also Zeigefinger und kleiner Finger zu Teufelshörnern erhoben.
„I muass sagn, der is scho guat.“ sagt ein pensonierter Arbeitskollege neben mir. „Er mog zwar die Männer. Aber des is au guat.“
Wenig später darf ich gehen. Im kleinen Aufenthaltsraum, in dem meine Sachen liegen, finde ich eine Kollegin, die offenbar in ihrer letzten Pause eingenickt ist. Jetzt sitzt sie immer noch am Tisch und atmet gleichmäßig. Ich lasse sie schlafen.
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Montag, 16. Juni 2008
Vor dem Spiel
annainwien, 19:16h
Heute morgen an der Uni verteilen zwei Promotionmädels in gelben Trikots von der Post Schlüsselanhänger, aus denen auf Knopfdruck der Originalton der entscheidenden Stelle des Cordoba Spiels dröhnt. Das Ding geht dann auch immer wieder von selbst los. „Tor! Tor! Tor! Tor! Tor! Tor!I werd narrisch! Krankl schießt ein – Drei zu Zwei für Österreich!“, schreit meine Tasche, als ich bei Hofer an der Kasse stehe.
Immer mehr Menschen rennen jetzt in diesen Cordoba T-Shirts herum. Es gibt auch einen Song von Mambo Kurt mit dem Titel „Lieber Gott schenk mir ein zweites Cordoba“ und auf YouTube gibt's eine Fake Dokumentation von David Schalko, wie Österreich Europa Meister wird. Das „Wunder von Wien“ heißt der Film und den Titelsong geben Heinz aus Wien, die dabei klingen wie die Sportfreunde Stiller.
Die EM (oder wie man hier sagt: die Euro) läuft jetzt seit einer Woche und das größte Ziel der Österreicher sei es, laut meiner Mitbewohnerin, nicht die Euro zu gewinnen, sondern dafür zu sorgen, dass die Deutschen sie nicht gewinnen. Endlich würden die Deutschen paniert, heißt es an einer Stelle im „Wunder von Wien“, endlich werde abgerechnet, sagt ein Arbeitskollege. Heute spielt Deutschland gegen Österreich und meine Mitbewohnerin sagt, ich solle vielleicht aufpassen, dass ich keine Deutschland Fahne trage, damit ich nicht zusammengeschlagen werde. Und vielleicht solle ich nicht unbedingt in die Fanzone gehen. Die Fanzone zieht sich hier von der Uni bis zum Heldenplatz den Ring entlang. Auf dem Burgtheater thront jetzt ein riesiger Fussball, die Bank Austria hat Zelte aufgebaut, in denen sie kostenlose Massagen für eine entspannte Euro anbietet und sämtliche Lokale bieten auf Tafeln „Beer to go“ an. Inzwischen, höre ich gerade per Skype von meiner Piefke-Korrespondentin aus dem 7. Bezirk, wird aber die Fanzone auch schon dicht gemacht. Zu viele Leute.
Am Abend zuvor war noch dieses Türkei-Tschechien-Spiel gelaufen, bei dem es die Türken in den letzten 15 Minuten tatsächlich geschafft haben, sich mit drei Toren ins Viertelfinale zu schießen. Ich bin dann später zu Türkiye Türkiye Rufen und Hupkonzerten eingeschlafen.
Heute morgen ist die deutsche Nationalmanschaft aus Klagenfurt in Wien angekommen.
„Fakt ist“, zitiert GMX.at den STANDARD, „Die Deutschen werden Stegersbach gehörig vermissen. Sie nahmen mit, dass ‚ihr Österreicher tatsächlich locker seid’ und ließen quasi einen in Neid getunkten Sauerbraten zurück. Daheim werden sie sich wieder an ‚die Verkrampfung’ gewöhnen und zur Linderung rote Grütze essen müssen.“
Wahrscheinlich noch vor der Mannschaft sind die ersten Fans gekommen. Die trinken zur Linderung der deutschen Verkrampfung lieber mal ein Bier und überschwemmen den ersten Bezirk. Es ist gerade mal elf. Ein Fiaker, prall gefüllt mit Jungs im Deutschland Trikot, fährt an mir vorbei. Den Jungs ist die frühe Stunde des Tages anzumerken, aus verquollenen Augen schauen sie in die Richtung, in die der Kutscher zeigt und versuchen, Pestsäule, Steffel und Hofburg zu würdigen. Kostet schließlich auch vierzig Euro aufwärts, so eine Fahrt.
Eine deutsche Studienkollegin ruft mich an. Wo wir denn noch Fussball schauen können. Mit ihren Mitbewohnerinnen gehe das nicht, die seien Österreicher, vielleicht schließe sie sich einfach allein in ihrem Zimmer ein und schaue ganz ganz leise das Spiel auf ihrem Laptop mit TV Karte. Wir einigen uns darauf, die Situation zu beobachten und uns am Abend für den geeigneten Ort zu entscheiden.
Ein Feuerwehrwagen fährt an mir vorbei, der Fahrer hat ein rot-weiß-rotes Schweißband an. Ich frage mich, rein hypothetisch, wenn jetzt ein Deutscher und ein Österreicher gleichzeitig zu brennen anfangen, wen er zuerst löschen würde.
Noch drei Stunden bis zum Spiel.
Immer mehr Menschen rennen jetzt in diesen Cordoba T-Shirts herum. Es gibt auch einen Song von Mambo Kurt mit dem Titel „Lieber Gott schenk mir ein zweites Cordoba“ und auf YouTube gibt's eine Fake Dokumentation von David Schalko, wie Österreich Europa Meister wird. Das „Wunder von Wien“ heißt der Film und den Titelsong geben Heinz aus Wien, die dabei klingen wie die Sportfreunde Stiller.
Die EM (oder wie man hier sagt: die Euro) läuft jetzt seit einer Woche und das größte Ziel der Österreicher sei es, laut meiner Mitbewohnerin, nicht die Euro zu gewinnen, sondern dafür zu sorgen, dass die Deutschen sie nicht gewinnen. Endlich würden die Deutschen paniert, heißt es an einer Stelle im „Wunder von Wien“, endlich werde abgerechnet, sagt ein Arbeitskollege. Heute spielt Deutschland gegen Österreich und meine Mitbewohnerin sagt, ich solle vielleicht aufpassen, dass ich keine Deutschland Fahne trage, damit ich nicht zusammengeschlagen werde. Und vielleicht solle ich nicht unbedingt in die Fanzone gehen. Die Fanzone zieht sich hier von der Uni bis zum Heldenplatz den Ring entlang. Auf dem Burgtheater thront jetzt ein riesiger Fussball, die Bank Austria hat Zelte aufgebaut, in denen sie kostenlose Massagen für eine entspannte Euro anbietet und sämtliche Lokale bieten auf Tafeln „Beer to go“ an. Inzwischen, höre ich gerade per Skype von meiner Piefke-Korrespondentin aus dem 7. Bezirk, wird aber die Fanzone auch schon dicht gemacht. Zu viele Leute.
Am Abend zuvor war noch dieses Türkei-Tschechien-Spiel gelaufen, bei dem es die Türken in den letzten 15 Minuten tatsächlich geschafft haben, sich mit drei Toren ins Viertelfinale zu schießen. Ich bin dann später zu Türkiye Türkiye Rufen und Hupkonzerten eingeschlafen.
Heute morgen ist die deutsche Nationalmanschaft aus Klagenfurt in Wien angekommen.
„Fakt ist“, zitiert GMX.at den STANDARD, „Die Deutschen werden Stegersbach gehörig vermissen. Sie nahmen mit, dass ‚ihr Österreicher tatsächlich locker seid’ und ließen quasi einen in Neid getunkten Sauerbraten zurück. Daheim werden sie sich wieder an ‚die Verkrampfung’ gewöhnen und zur Linderung rote Grütze essen müssen.“
Wahrscheinlich noch vor der Mannschaft sind die ersten Fans gekommen. Die trinken zur Linderung der deutschen Verkrampfung lieber mal ein Bier und überschwemmen den ersten Bezirk. Es ist gerade mal elf. Ein Fiaker, prall gefüllt mit Jungs im Deutschland Trikot, fährt an mir vorbei. Den Jungs ist die frühe Stunde des Tages anzumerken, aus verquollenen Augen schauen sie in die Richtung, in die der Kutscher zeigt und versuchen, Pestsäule, Steffel und Hofburg zu würdigen. Kostet schließlich auch vierzig Euro aufwärts, so eine Fahrt.
Eine deutsche Studienkollegin ruft mich an. Wo wir denn noch Fussball schauen können. Mit ihren Mitbewohnerinnen gehe das nicht, die seien Österreicher, vielleicht schließe sie sich einfach allein in ihrem Zimmer ein und schaue ganz ganz leise das Spiel auf ihrem Laptop mit TV Karte. Wir einigen uns darauf, die Situation zu beobachten und uns am Abend für den geeigneten Ort zu entscheiden.
Ein Feuerwehrwagen fährt an mir vorbei, der Fahrer hat ein rot-weiß-rotes Schweißband an. Ich frage mich, rein hypothetisch, wenn jetzt ein Deutscher und ein Österreicher gleichzeitig zu brennen anfangen, wen er zuerst löschen würde.
Noch drei Stunden bis zum Spiel.
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