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Montag, 3. Dezember 2007
Warmbadetag
annainwien, 19:32h
Die volle Adventsnummer haben wir am Sonntag geschoben. Drei verschiedene Kekssorten gebacken und gegessen. So viel Aktion war das, dass wir die vierte Kekssorte, die vollwertigen Ingwerkekse vor lauter Erschöpfung im Ofen vergessen und eine Stunde zu lang gebacken haben. Völlig überzuckert bin ich im Qualm von verbranntem Teig, der danach auf unsere Wohnung niedersank, ins Bett gegangen. Heute Sport als Konsequenz.
In der Brigittenauer Schwimmhalle ist am Montag Warmbadetag. Um daran teilzunehmen, wecke ich erst mal den Schlüsselwart auf. In Wien gibt's so was nämlich noch, da mußt du dein Ticket zeigen und dann bekommst du einen eigenen Garderobenschlüssel zugeteilt.
Ich frage mich, ob sie für den Job auch Studenten nehmen würden, vielleicht sogar Erasmusstudenten, vielleicht sogar Piefkes.
Als ich ins Wasser steige, bin ich ein wenig enttäuscht, dass das Wasser höchstens ein, zwei Grad wärmer ist, als sonst. Für 1.50 Euro Aufpreis hab ich schon erwartet, dass die das Becken ordentlich zum Dampfen bringen. Die Hälfte der Menschen in diesem Schwimmbad ist allerdings auch gar nicht im Wasser. Viele haben sich auf den Liegestühlen eingerichtet, die zwischen zwei Gummibäumen stehen. Hinter einer Glasscheibe sitzen noch mehr im Bistro und essen Hot Dogs mit Pommes. Neben mir im Nichtschwimmerbecken findet ein Säuglingsschwimmkurs statt. Ein einzelner Vater filmt vom Beckenrand mit. Ich versuche in einer Armee von rückenschwimmenden Senioren meine Bahnen durchzusetzen und frage mich, ob meine Nachbarin vielleicht auch darunter ist. Meine Nachbarin wohnt im Haus gegenüber und ich sehe sie immer abends alleine an einem Tisch sitzen. Sie liest nicht, sie schaut kein fern, sie ißt nicht. Sie sitzt einfach nur da. Immer wenn ich hinüber schaue, sehe ich, wie sie da sitzt in ihrem beleuchteten Wohnzimmer. Gestern habe ich das Jana gezeigt, die von dem traurigen Anblick so überfordert war, dass sie zu lachen begann. Unter den rückenschwimmenden Seniorinnen ist meine Nachbarin aber nicht, und die, die sich in der Sammelumkleide immer nackt die Haare föhnt, ist es auch nicht. Ich gehe zur Uni und radel erst später, als es schon dunkel ist, wieder zurück. Aus meiner Straße kommt mir ein Krankenwagen ohne Sirene entgegen. Vor unserem Haus schaue ich zum Nachbarhaus hoch. Es brennt kein Licht.
In der Brigittenauer Schwimmhalle ist am Montag Warmbadetag. Um daran teilzunehmen, wecke ich erst mal den Schlüsselwart auf. In Wien gibt's so was nämlich noch, da mußt du dein Ticket zeigen und dann bekommst du einen eigenen Garderobenschlüssel zugeteilt.
Ich frage mich, ob sie für den Job auch Studenten nehmen würden, vielleicht sogar Erasmusstudenten, vielleicht sogar Piefkes.
Als ich ins Wasser steige, bin ich ein wenig enttäuscht, dass das Wasser höchstens ein, zwei Grad wärmer ist, als sonst. Für 1.50 Euro Aufpreis hab ich schon erwartet, dass die das Becken ordentlich zum Dampfen bringen. Die Hälfte der Menschen in diesem Schwimmbad ist allerdings auch gar nicht im Wasser. Viele haben sich auf den Liegestühlen eingerichtet, die zwischen zwei Gummibäumen stehen. Hinter einer Glasscheibe sitzen noch mehr im Bistro und essen Hot Dogs mit Pommes. Neben mir im Nichtschwimmerbecken findet ein Säuglingsschwimmkurs statt. Ein einzelner Vater filmt vom Beckenrand mit. Ich versuche in einer Armee von rückenschwimmenden Senioren meine Bahnen durchzusetzen und frage mich, ob meine Nachbarin vielleicht auch darunter ist. Meine Nachbarin wohnt im Haus gegenüber und ich sehe sie immer abends alleine an einem Tisch sitzen. Sie liest nicht, sie schaut kein fern, sie ißt nicht. Sie sitzt einfach nur da. Immer wenn ich hinüber schaue, sehe ich, wie sie da sitzt in ihrem beleuchteten Wohnzimmer. Gestern habe ich das Jana gezeigt, die von dem traurigen Anblick so überfordert war, dass sie zu lachen begann. Unter den rückenschwimmenden Seniorinnen ist meine Nachbarin aber nicht, und die, die sich in der Sammelumkleide immer nackt die Haare föhnt, ist es auch nicht. Ich gehe zur Uni und radel erst später, als es schon dunkel ist, wieder zurück. Aus meiner Straße kommt mir ein Krankenwagen ohne Sirene entgegen. Vor unserem Haus schaue ich zum Nachbarhaus hoch. Es brennt kein Licht.
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