Montag, 26. November 2007
Erasmus, Baby!
annainwien, 23:36h
Die dünne Frau öffnet ihren Mund und zieht die Mundwinkel ruckartig nach oben. Dann beginnt sie zu sprechen. Ich stehe zu weit weg. Ich höre nur: „..wuaawueehwuaaah..“. Über mir eine Menge Fahnen.
Als erste wirkliche Erasmus-Action hatte ich mich mit Christina für eine UNO-Führung angemeldet. Treffpunkt: U-Bahn-Station. Wir sind etwa 15 Leute. Unser Betreuer heißt Albert und hat seine Freundin mitgebracht und wir warten dann alle noch eine halbe Stunde, bis er aufhört, zu telefonieren.
Ein blonder Typ mit Brille entlarvt uns mit: „Auch aus Norddeutschland oder?“ Ich starre auf den Puderzucker in seinem Gesicht. Er ist überall. Wow. Jaja, Berlin – „ach Berlin? Dann kennst du bestimmt den Hendrik Fischer! Der ist total engagiert. Und er ist auch im StudiVZ.“ Also, so jetzt auf Anhieb... – „Den kennst du bestimmt, den kennt jeder, der hat so eine schwarze Brille.“ Der blonde Typ mit dem Puderzucker im Gesicht ist über Theologie auf Erasmus in Wien unterwegs. Fünf Jahre habe er in Berlin studiert und keiner wollte etwas mit ihm privat unternehmen. Obwohl sie Zeit gehabt hätten. Aber sie hätten alle nicht zwanzig Minuten mit der Bahn fahren wollen. Ob wir das verstehen würden. Ich starre auf den Puderzucker und leide an Reizüberflutung.
Dann steht da noch ein kleiner Römer herum. Wo er denn wohne in Wien. Im Studentenwohnheim. Aber mit den Leuten dort wolle er nichts zu tun haben. Die kämen alle vom Land. Und falls wir nicht verstehen, was daran schlimm ist, gibt er uns eine Imitation von Leuten, die vom Land kommen: er verzieht sein Gesicht zu einer Grimasse und stampft Neandertalermäßig von einem Fuß auf den anderen und schwingt dazu seine Arme von links nach rechts. Alles klar.
Und dann stehen wir schließlich in einer runden Empfangshalle unter einer Menge Fahnen. Die dünne Frau ist unsere Führerin und möchte wissen, was denn alles für Länder unter den 192 Teilnehmern sind. Schweigen. Das Handy vom Römer klingelt. Schließlich erbarmen sich ein paar. „Polen“ - richtig. „Tschechien“ – ja. „Deutschland“ – genau. „England“, „Frankreich“, „Italien“ – ja, das sind ja schon einige, nicht wahr? Wir fahren die meiste Zeit Fahrstühle hoch und runter. Dazwischen begegnen uns Männer in Anzügen, Männer in Uniformen, zwei, drei Frauen. Ob ich mir vorstellen könne, hier zu arbeiten, fragt mich Christina. Ich hatte mir gerade, wenig emanzipiert, vorgestellt, ich wäre mit einem, der in der UNO arbeitet, verheiratet. Christina malt für mich das Bild, wie ich zur Mittagspause vor der Pforte stehe mit einem Picknickkorb überm Arm. Dann schauen wir durch eine verglaste Kabine den großen Konferenzsaal an, alle bis auf den Römer, der draußen telefoniert.
In einem kleinen Kinosaal kriegen wir einen Film über die allgemeinen Aufgaben der UNO zu sehen. Der Film ist ein bisschen älter, als Generalsekretär tritt Kofi Annan auf, allerdings hier mit einer lustigen österreichischen Synchronstimme. So eine hat auch Michael Douglas, der sich anfangs als Erzähler vorstellt, danach aber nie wieder zu hören oder sehen ist. Hinter mir höre ich Albert mit seiner Freundin fummeln.
Zum Schluss schauen wir uns noch den Mondstein an, der in der UNO-eigenen Weltraumausstellung in einer Vitrine schläft. Aus irgendeinem Grund hatte ich gehofft, man könnte den anfassen. Aus irgendeinem Grund bin ich sehr enttäuscht, dass man das nicht kann. Es gebe ja russische Kosmonauten und amerikanische Astronauten, ob wir denn wüssten, wie die chinesischen heißen? Fragt uns die Führerin. Thaikonauten. Genau. Leider gäbe es noch keine Östronauten, sagt die dünne Frau und lacht schallend in unsere leeren Gesichter. Wir bleiben eine Weile lang still und applaudieren dann doch noch endlich zum Ende der Führung.
Zwei Tage später sehen wir Teile aus der Gruppe beim großen Erasmus Cocktail-Empfang im Rathaus wieder. Es gibt ein Buffet, Wein und Freibier. Ich bin begeistert. Leider muss ich nach einer Stunde gehen, um es noch rechtzeitig zum Hot Hot Heat Konzert zu schaffen. Christina berichtet mir hinterher am Telefon, dass ein Mädel irgendwann auf die Bühne gesprungen sei, der Big Band das Mikro entwendet hätte, und „Somewhere over the Rainbow“ gesungen hätte. Derweil hätte der blonde Typ mit Puderzucker diesmal ohne Puderzucker Christina sein Herz geöffnet und erzählt, dass er in den letzten vier Wochen in drei Frauen verliebt gewesen wäre. Leider unglücklich, und die eine hätte dann vor seinen Augen mit einem Italiener rumgeknutscht.
„Ich glaube,“, sagt Christina später zu mir, „wenn man sich auf dieses Erasmus Ding so richtig einlassen würde, wäre das der Beginn einer ganz neue Ära.“
Als erste wirkliche Erasmus-Action hatte ich mich mit Christina für eine UNO-Führung angemeldet. Treffpunkt: U-Bahn-Station. Wir sind etwa 15 Leute. Unser Betreuer heißt Albert und hat seine Freundin mitgebracht und wir warten dann alle noch eine halbe Stunde, bis er aufhört, zu telefonieren.
Ein blonder Typ mit Brille entlarvt uns mit: „Auch aus Norddeutschland oder?“ Ich starre auf den Puderzucker in seinem Gesicht. Er ist überall. Wow. Jaja, Berlin – „ach Berlin? Dann kennst du bestimmt den Hendrik Fischer! Der ist total engagiert. Und er ist auch im StudiVZ.“ Also, so jetzt auf Anhieb... – „Den kennst du bestimmt, den kennt jeder, der hat so eine schwarze Brille.“ Der blonde Typ mit dem Puderzucker im Gesicht ist über Theologie auf Erasmus in Wien unterwegs. Fünf Jahre habe er in Berlin studiert und keiner wollte etwas mit ihm privat unternehmen. Obwohl sie Zeit gehabt hätten. Aber sie hätten alle nicht zwanzig Minuten mit der Bahn fahren wollen. Ob wir das verstehen würden. Ich starre auf den Puderzucker und leide an Reizüberflutung.
Dann steht da noch ein kleiner Römer herum. Wo er denn wohne in Wien. Im Studentenwohnheim. Aber mit den Leuten dort wolle er nichts zu tun haben. Die kämen alle vom Land. Und falls wir nicht verstehen, was daran schlimm ist, gibt er uns eine Imitation von Leuten, die vom Land kommen: er verzieht sein Gesicht zu einer Grimasse und stampft Neandertalermäßig von einem Fuß auf den anderen und schwingt dazu seine Arme von links nach rechts. Alles klar.
Und dann stehen wir schließlich in einer runden Empfangshalle unter einer Menge Fahnen. Die dünne Frau ist unsere Führerin und möchte wissen, was denn alles für Länder unter den 192 Teilnehmern sind. Schweigen. Das Handy vom Römer klingelt. Schließlich erbarmen sich ein paar. „Polen“ - richtig. „Tschechien“ – ja. „Deutschland“ – genau. „England“, „Frankreich“, „Italien“ – ja, das sind ja schon einige, nicht wahr? Wir fahren die meiste Zeit Fahrstühle hoch und runter. Dazwischen begegnen uns Männer in Anzügen, Männer in Uniformen, zwei, drei Frauen. Ob ich mir vorstellen könne, hier zu arbeiten, fragt mich Christina. Ich hatte mir gerade, wenig emanzipiert, vorgestellt, ich wäre mit einem, der in der UNO arbeitet, verheiratet. Christina malt für mich das Bild, wie ich zur Mittagspause vor der Pforte stehe mit einem Picknickkorb überm Arm. Dann schauen wir durch eine verglaste Kabine den großen Konferenzsaal an, alle bis auf den Römer, der draußen telefoniert.
In einem kleinen Kinosaal kriegen wir einen Film über die allgemeinen Aufgaben der UNO zu sehen. Der Film ist ein bisschen älter, als Generalsekretär tritt Kofi Annan auf, allerdings hier mit einer lustigen österreichischen Synchronstimme. So eine hat auch Michael Douglas, der sich anfangs als Erzähler vorstellt, danach aber nie wieder zu hören oder sehen ist. Hinter mir höre ich Albert mit seiner Freundin fummeln.
Zum Schluss schauen wir uns noch den Mondstein an, der in der UNO-eigenen Weltraumausstellung in einer Vitrine schläft. Aus irgendeinem Grund hatte ich gehofft, man könnte den anfassen. Aus irgendeinem Grund bin ich sehr enttäuscht, dass man das nicht kann. Es gebe ja russische Kosmonauten und amerikanische Astronauten, ob wir denn wüssten, wie die chinesischen heißen? Fragt uns die Führerin. Thaikonauten. Genau. Leider gäbe es noch keine Östronauten, sagt die dünne Frau und lacht schallend in unsere leeren Gesichter. Wir bleiben eine Weile lang still und applaudieren dann doch noch endlich zum Ende der Führung.
Zwei Tage später sehen wir Teile aus der Gruppe beim großen Erasmus Cocktail-Empfang im Rathaus wieder. Es gibt ein Buffet, Wein und Freibier. Ich bin begeistert. Leider muss ich nach einer Stunde gehen, um es noch rechtzeitig zum Hot Hot Heat Konzert zu schaffen. Christina berichtet mir hinterher am Telefon, dass ein Mädel irgendwann auf die Bühne gesprungen sei, der Big Band das Mikro entwendet hätte, und „Somewhere over the Rainbow“ gesungen hätte. Derweil hätte der blonde Typ mit Puderzucker diesmal ohne Puderzucker Christina sein Herz geöffnet und erzählt, dass er in den letzten vier Wochen in drei Frauen verliebt gewesen wäre. Leider unglücklich, und die eine hätte dann vor seinen Augen mit einem Italiener rumgeknutscht.
„Ich glaube,“, sagt Christina später zu mir, „wenn man sich auf dieses Erasmus Ding so richtig einlassen würde, wäre das der Beginn einer ganz neue Ära.“
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Montag, 29. Oktober 2007
Nationalfeiertag mit Take That
annahelbling, 00:41h
Als ich am Freitag am Rathaus vorbeiradel, hängen Rot-Weiß-Roten Fahnen herunter.

Nationalfeiertag. Touristenbusse parken vor dem Parlament, dort ist Tag der offenen Tür. Ich werde angerufen vom Heldenplatz, dort wären große Militärparaden im Gange, mit Panzern und Eurofightern. Später werde ich von meiner Mitbewohnerin erfahren, dass die Eurofighter der Stolz von Österreich sind. Sie vermutet, dass man darum damals die Studiengebühren eingeführt hatte, um die Dinger zu finanzieren. Ich habe keine Zeit zum gucken, ich muss zu Take That.
Eine Stunde später stehen wir versammelt in unseren blauen Säcken und warten auf Instruktionen. Chef zeigt mit dem Finger auf mich: „Ausgepeitscht, aufgehangen, weggesperrt gehörns.“ Ich habe vergessen, mich beim Pförtner zu melden. Trotzdem ist Chef guter Dinge und spielt eine Ohnmacht vor, als er sieht, dass der Frauenanteil beim Einlasspersonal bei 80 Prozent liegt. Diesmal erinnert er mich mehr an Josef Hader, als an Heiner Lauterbach. Dieses Wien scheint langsam zu wirken. Seit meinem letzten Arbeitstermin hatte ich eine Hardcore-Österreichkulturkur. Wolf Haas-Verfilmungen auf DVD ausgeliehen und Josef Hader bei Harald Schmidt auf Youtube geschaut. Bernhard, Glavinic, Menasse und Schnitzler gelesen, Grillparzer im Burgtheater gesehn und in unserer Literatur und Musik Vorlesung kam Gerhard Rühm vorbei (der uns primär sein Buch zum unschlagbaren Schnäppchen von 5 Euro anbot, Rühm hatte mal ausgegoogelt, wie viel das antiquarisch koste und da sei es ab 50 Euro losgegangen). Inzwischen sage ich auch schon „das geht sich nicht aus“ und meine damit, dass etwas nicht klappt.
Bei Take That geht sich an diesem Abend auch nicht alles aus wie geplant. Ein Sänger – welcher weiß man noch nicht - ist krank, wird mir kurz vor dem Konzert zugetuschelt. Sind sie also heute nicht zu viert statt zu fünft, sondern zu dritt statt zu viert. Mein Job ist es, den Menschen drinnen den Weg zu zeigen, wenn sie ihn nicht zu ihren Plätzen finden. Da das Konzert eine Viertelstunde zu früh anfängt und irgendein Spast die Notbeleuchtung mit schwarzem Gaffer-Tape abgeklebt hat, sind a.l.l.e. darauf angewiesen, dass ich ihnen mit meiner kleinen Taschenlampe den Weg leuchte. Die kleine Taschenlampe wird davon so überfordert, dass sie nach zehn Minuten einen Wackelkontakt bekommt. Gottseidank sind alle sehr nett und warten geduldig. Manche im Publikum sehen aus, als wären sie direkt aus den alten Tagen ins heute gesprungen. So leuchte ich ehrfürchtig einer perfekten Imitation von Kelly Taylor aus Beverly Hills 90210 den Weg.
Als die Show beginnt habe ich sogar so viel Zeit, dass ich sie mir fast komplett anschauen kann. Eine Riesengeschichte, mit Lightshow, Pyroshow, Stripshow, 20 Tänzern und gefühlten 30 Kostümwechseln, bei der eigentlich gar nicht auffällt, dass einer der Sänger, nämlich Howard, krank ist. Trotzdem gibt's ein 5 minütiges Video, da sieht man, wie er mit Schläuchen im Arm im Krankenhaus liegt und seine Fans beruhigt, dass er nicht sterben wird. Was er genau hatte, habe ich aber nicht verstanden.
Lieselotte, meine 70jährige Kollegin aus Schönbrunn, geht nach einem Lied aus dem Saal. Dieses Licht mache sie ganz schwindelig. Im Aufenthaltsraum wird über den letzten Urlaub geredet. Es sei ja schon immer schön, so ein Urlaub, aber „zuhaas, ists eben nicht, verstehst, ma saan immer froh, nach zwei Wochen wieder nach Wien zu kommen.“ Es gibt ein paar Mannerschnitten aufs Haus.
Am Schluss trommelt Chef uns zusammen und gibt uns ein nettes Lob. Alle Neuen würden ihre Sache gut machen. „Ihr hobts a Fingerspitzengefühl mit die Leit, das hatte ich nicht so schnell. Also bleibts mir erholtn und kommts nicht nächste Woche an und erzählt mir ihr seids schwanger geworden. Noch nicht!“
Ich radel mit meinem KTM Austria Rad nach Hause, in die letzte Stunde des Nationalfeiertags und vorbei an einem österreichischen Polizeiauto über eine rote Ampel. Ich darf 36 Euro Strafe bezahlen. Genau einen Euro mehr, als ich an diesem Abend verdient habe.

Nationalfeiertag. Touristenbusse parken vor dem Parlament, dort ist Tag der offenen Tür. Ich werde angerufen vom Heldenplatz, dort wären große Militärparaden im Gange, mit Panzern und Eurofightern. Später werde ich von meiner Mitbewohnerin erfahren, dass die Eurofighter der Stolz von Österreich sind. Sie vermutet, dass man darum damals die Studiengebühren eingeführt hatte, um die Dinger zu finanzieren. Ich habe keine Zeit zum gucken, ich muss zu Take That.
Eine Stunde später stehen wir versammelt in unseren blauen Säcken und warten auf Instruktionen. Chef zeigt mit dem Finger auf mich: „Ausgepeitscht, aufgehangen, weggesperrt gehörns.“ Ich habe vergessen, mich beim Pförtner zu melden. Trotzdem ist Chef guter Dinge und spielt eine Ohnmacht vor, als er sieht, dass der Frauenanteil beim Einlasspersonal bei 80 Prozent liegt. Diesmal erinnert er mich mehr an Josef Hader, als an Heiner Lauterbach. Dieses Wien scheint langsam zu wirken. Seit meinem letzten Arbeitstermin hatte ich eine Hardcore-Österreichkulturkur. Wolf Haas-Verfilmungen auf DVD ausgeliehen und Josef Hader bei Harald Schmidt auf Youtube geschaut. Bernhard, Glavinic, Menasse und Schnitzler gelesen, Grillparzer im Burgtheater gesehn und in unserer Literatur und Musik Vorlesung kam Gerhard Rühm vorbei (der uns primär sein Buch zum unschlagbaren Schnäppchen von 5 Euro anbot, Rühm hatte mal ausgegoogelt, wie viel das antiquarisch koste und da sei es ab 50 Euro losgegangen). Inzwischen sage ich auch schon „das geht sich nicht aus“ und meine damit, dass etwas nicht klappt.
Bei Take That geht sich an diesem Abend auch nicht alles aus wie geplant. Ein Sänger – welcher weiß man noch nicht - ist krank, wird mir kurz vor dem Konzert zugetuschelt. Sind sie also heute nicht zu viert statt zu fünft, sondern zu dritt statt zu viert. Mein Job ist es, den Menschen drinnen den Weg zu zeigen, wenn sie ihn nicht zu ihren Plätzen finden. Da das Konzert eine Viertelstunde zu früh anfängt und irgendein Spast die Notbeleuchtung mit schwarzem Gaffer-Tape abgeklebt hat, sind a.l.l.e. darauf angewiesen, dass ich ihnen mit meiner kleinen Taschenlampe den Weg leuchte. Die kleine Taschenlampe wird davon so überfordert, dass sie nach zehn Minuten einen Wackelkontakt bekommt. Gottseidank sind alle sehr nett und warten geduldig. Manche im Publikum sehen aus, als wären sie direkt aus den alten Tagen ins heute gesprungen. So leuchte ich ehrfürchtig einer perfekten Imitation von Kelly Taylor aus Beverly Hills 90210 den Weg.
Als die Show beginnt habe ich sogar so viel Zeit, dass ich sie mir fast komplett anschauen kann. Eine Riesengeschichte, mit Lightshow, Pyroshow, Stripshow, 20 Tänzern und gefühlten 30 Kostümwechseln, bei der eigentlich gar nicht auffällt, dass einer der Sänger, nämlich Howard, krank ist. Trotzdem gibt's ein 5 minütiges Video, da sieht man, wie er mit Schläuchen im Arm im Krankenhaus liegt und seine Fans beruhigt, dass er nicht sterben wird. Was er genau hatte, habe ich aber nicht verstanden.
Lieselotte, meine 70jährige Kollegin aus Schönbrunn, geht nach einem Lied aus dem Saal. Dieses Licht mache sie ganz schwindelig. Im Aufenthaltsraum wird über den letzten Urlaub geredet. Es sei ja schon immer schön, so ein Urlaub, aber „zuhaas, ists eben nicht, verstehst, ma saan immer froh, nach zwei Wochen wieder nach Wien zu kommen.“ Es gibt ein paar Mannerschnitten aufs Haus.
Am Schluss trommelt Chef uns zusammen und gibt uns ein nettes Lob. Alle Neuen würden ihre Sache gut machen. „Ihr hobts a Fingerspitzengefühl mit die Leit, das hatte ich nicht so schnell. Also bleibts mir erholtn und kommts nicht nächste Woche an und erzählt mir ihr seids schwanger geworden. Noch nicht!“
Ich radel mit meinem KTM Austria Rad nach Hause, in die letzte Stunde des Nationalfeiertags und vorbei an einem österreichischen Polizeiauto über eine rote Ampel. Ich darf 36 Euro Strafe bezahlen. Genau einen Euro mehr, als ich an diesem Abend verdient habe.
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